EBRD-Präsidentin Renaud-Basso im Austausch mit der deutschen Wirtschaft

Foto: Ekaterina Radaikina

Die Beteiligung deutscher Unternehmen an internationalen Investitionsprojekten, neue Vergaberegeln und die Mobilisierung privaten Kapitals standen im Mittelpunkt eines Gesprächs mit EBRD-Präsidentin Odile Renaud-Basso am 7. Oktober im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin. Der Austausch fand im Rahmen des Expertenpools Finanzen des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft statt. Diskutiert wurden die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sowie der Zugang zu Finanzierungs- und Absicherungsinstrumenten in den Einsatzländern der Bank.

Zum Auftakt verwies Marck Wengrzik, CEO der AKA Bank und Mitglied des Ost-Ausschuss-Präsidiums, auf die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Märkte in Mittel- und Osteuropa sowie den damit verbundenen Finanzierungsbedarf. Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, unterstrich die Bedeutung der EBRD als Partner bei der Diversifizierung internationaler Geschäftsaktivitäten und der Absicherung von Investitionsrisiken. Renaud-Basso hob die langjährige Zusammenarbeit mit Deutschland hervor. Im vergangenen Jahr investierte die Bank ihren Angaben zufolge rund 17 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund stand insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie deutsche Unternehmen künftig noch stärker von EBRD-finanzierten Projekten profitieren und bereits in frühen Projektphasen eingebunden werden können.

Deutsche Unternehmen frühzeitiger in Projekte einbinden

Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die Beteiligung deutscher Unternehmen an EBRD-finanzierten Projekten sowie die Auswirkungen der seit September 2026 geltenden neuen Vergaberegeln der Bank.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die stärkere Berücksichtigung qualitativer Kriterien bei der Vergabe größerer Aufträge. Bei bestimmten Ausschreibungen müssen diese künftig mit mindestens 50 Prozent in die Bewertung einfließen. Neben dem Preis gewinnen damit Aspekte wie Nachhaltigkeit, technische Qualität und langfristige Wirtschaftlichkeit (Life cycle cost) deutlich an Bedeutung. Die Neuregelungen sollen den Wettbewerb stärker über Qualität definieren und eröffnen deutschen sowie europäischen Unternehmen zusätzliche Chancen, ihre technologischen und qualitativen Stärken gegenüber preisaggressiven Wettbewerbern besser auszuspielen.

Gleichzeitig wurden praktische Hürden bei der Teilnahme an Ausschreibungen thematisiert. Insbesondere für mittelständische Unternehmen gestaltet sich die eigenständige Umsetzung größerer Projekte häufig schwierig. Die EBRD empfahl daher, frühzeitig den Kontakt zu ihren lokalen Büros zu suchen und bestehende Netzwerke stärker zu nutzen. Eine engere Zusammenarbeit mit Auslandshandelskammern und Wirtschaftsverbänden könnte zudem dazu beitragen, geeignete Unternehmenspartner bereits vor Ausschreibungsbeginn zusammenzubringen und gemeinsame Angebote vorzubereiten.

Investitionen ermöglichen und Risiken absichern

Ein weiteres zentrales Thema war die Mobilisierung privaten Kapitals. Die EBRD erläuterte verschiedene Ansätze, darunter gemeinsame Investitionen mit institutionellen Anlegern und neue Instrumente zur Risikoteilung.

Besonders relevant ist dies für die Ukraine, die weiterhin zu den Prioritäten der Bank zählt. Im Gespräch ging es darum, wie EBRD-Finanzierungen, staatliche Garantien und private Investitionen kombiniert werden können, um Projekte trotz erheblicher Risiken zu ermöglichen und den Wiederaufbau vorzubereiten.

Auch die Investitionsperspektiven in Zentralasien und im südlichen Kaukasus wurden beleuchtet. Neben Energie- und Infrastrukturprojekten spielt der Ausbau der Verkehrsverbindungen entlang des Mittleren Korridors eine wichtige Rolle. Bei kritischen Rohstoffen signalisierte die EBRD zudem Interesse an einem vertieften Austausch mit deutschen Unternehmen, etwa durch branchenspezifische Informationsformate.

Der Austausch unterstrich die Bedeutung einer frühzeitigen Einbindung deutscher Unternehmen in die Projektentwicklung, eines verbesserten Zugangs zu Finanzierungs- und Absicherungsinstrumenten sowie einer stärkeren Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Auch die Weiterentwicklung der Vergabeverfahren wurde als wichtiger Ansatz zur Verbesserung der Beteiligungsmöglichkeiten deutscher Unternehmen an EBRD-finanzierten Projekten hervorgehoben.

Selbi Esenova
Werkstudentin

Kontakt

Jens Böhlmann
Direktor Mittelstand | Grüne Transformation
T. +49 30 206167-127
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